Die Geschichte von Neuenhof
verfaßt von Kurt Leischner 1992
Ortschronist aus Neuenhof an der Werra
Kirche in Neuenhof (Zeichnung v. H.Bock)
Baujahr unbekannt.
Turm aus dem 15.Jahrhundert,Erneuerungsbau 1794 und 1898
Unsere Heimatgemeinde Neuenhof liegt im schönenThüringer Land.
Hier im Werratal ,am nordwestlichen Ende des Thüringer Waldes, nahe der berühmten Porta Thu-
ringia, siedelten unsere Vorfahren. Viele offenen Fragen über die Vergangenheit sind nicht geklärt.
Ich will versuchen, anhand der überlieferten Berichte unseren Landsleuten ein Bild über die Ge-
schichte unseres Dorfes und der engeren Region zu vermitteln. Sicher sind weit früher, als es die
schriftlichen Überlieferungen nachweisen, Menschen hier gewesen.
Die Flußauen der Werra und Hörsel waren Durchgangswege von Pflanzen, Tieren und der Men-
schen. Viele Funde beweisen dies. Ebenfalls liegt die Vermutung nahe, daß die nahe Werrafurt bei
Wartha als bequemere Übergangsstelle über die frühere unwirtliche Flußaue und das westthürin-
gische Waldgebiet zum zentralen Siedlungsgebiet der Thüringer gedient hat. Der noch heute be-
kannte Botenweg lief, von Hessen kommend, über den Rennsteig ins Thüringer Land. Neben der
langen Hessen von Kassel über Creuzburg nach Eisenach und der kurzen Hessen von Hersfeld über
den Clausberg nach Eisenach war der Botenweg eine schnelle Verbindung zwischen diesen Hauptli-
nien. Er verband dabei auch den alten Thüringer Ringgau mit der Zentrale.
Unsere westthüringer Mundart mit ihrer charakteristischen Ausdrucksweise wird in dem Gebiet ge-
sprochen, das folgendermaßen einzugrenzen ist: zwischen Rhön, Eichsfeld, Hainich, Ruhla, Bad
Salzungen, durchflossen von der Werra und Hörsel, liegt das Gebiet der Westthüringer. Unsere
Heimat liegt im Zentrum dieses Mundartgebietes. Stammesgeschichtliche Zusammenhänge sind also
unbedingt daraus zu folgern. Nach Erkenntnissen und Forschungen bekannter Geschichtsschreiber
erfolgte im 8. Jahrhundert die entscheidende Besiedlung unseres Raumes.
Ich will versuchen, in chronologischer Reihenfolge die Vorgänge darzustellen.
718-719 erfolgte die Christianisierung unserer Gegend unter Bonifatius
725 der fränkische Lupnitzgau bildet sich
744 findet die Gründung des Klosters Fulda statt. Das Lehnswesen entwickelt sich. Im
Mittelpunkt der neuen Siedlungen stand der Hof des adeligen Lehnsnehmers von
einheimischen Thüringern. Das Westthüringer Sprachgebiet weist einschließlich des
Ringgaues starke Anklänge zum südthüringischen, also fränkischen Sprachgebiet auf. Es
unterscheidet sich vom zentralthüringer Gebiet.
744 Das Königgut Gerstungen (15 km werraaufwärts) wird dem Kloster Fulda geschenkt. Es
war ursprünglich ein Freidorf und dazu gehörten die Siedlungen Untersuhl, Dankmarshau-
sen, Süß und Neustädt.
768 kommt Lupnitz an den Bischof zu Mainz
770 das Kloster Hersfeld wird gegründet. Mihla und Crezuburg sind damit verbunden
779 Einstige fuldaische Dörfer unseres Raumes gehen an Hersfeld.In dieser Zeit geht
die Sprachlautverschiebung vom Althochdeutschen und Niederhochdeutschen
zum Mittelhochdeutschen. Diutisc - Teutisci - Deutsche.
Im Neuenhöfer Dialekt heißt es noch heute für deutsch ditsch.
780 Die vorherrschende Organisationsform der grundherrlichen Gewalt entwickelt sich zum
Fronhof. Fronen kommt vom althochdeutschen Fro, das heißt Herr.Der Fronhof
oder dieMeierei ist das System der Naturalwirtschaft des Adels und der Klöster.
Die dritte Siedlungsperiode
Sie wurde meist von der geistlichen Herrschaft der Klöster organisiert.
802-803 Ließ Kaiser Karl das Recht der Angeln und Warnen, also der Thüringer,aufzeichnen.
839 In Thüringen werden Herzöge, Markgrafen und Landvögte eingesetzt und
mit Land belehnt. Sie haben die Grenzsicherung gegen die Slaven zu übernehmen.
850 Die nordischen Wikinger dringen mit ihren Booten über Weser und Werra (die
damals noch Wisera hieß) in das Land ein. Es werden achtzehn Burgen als
hersfeldisch Lehen bezeichnet.
876 Die Nordmänner werden geschlagen. Vierhundert von ihnen bleiben im Land.
Der Normannstein bei Treffurt und der Brandenfels im Ringgau erinnern daran.
908 Die Ungarn fallen in Thüringen ein.
919 König Heinrich der 1. kommt als Sachsenherzog an die Macht
932 Hörschel wird als "Hursilagemundi" erstmals erwähnt. Hörsel - Rößleinfluß -
sich rasch bewegendes Wasser
955 Werden slawische Kriegsgefangene angesiedelt. Stedtfeld, die Siedlung am
Ehrensteig vor Eisenach, und Wünschensuhl (Wendensuhl) erinnern daran.
973 Erste Nennung von Creuzburg. Es ist ein (Curtis regina) Königshof.
974 Kommt Creuzburg an das Kloster Fulda. Es kommt zur westthüringischen
Germaramark.
975 Es kommt die Zweinamigkeit auf. Oft ist es ein Spitzname bzw. der Zweitname
zeigt Herkunft und Tätigkeit an.
979 Es kommt zum Hörselstreit zwischen den Machtinteressen der Klöster Fulda
und Hersfeld. Die Hörsel war als Grenzfluß zwischen den Gauen Gerstungen
und Lupnitz und damit auch zwischen Hersfeld und Fulda festgelegt.
979 Zum Streit: Die Hersfelder hatten ein Fischwehr gebaut und den Bootsverkehr
damit unmöglich gemacht. Die damaligen Flüsse Werra und Hörsel waren wasser-
reicher als wir das heute kennen, und sie waren wichtige Verkehrswege im uner-
schlossenen Urwald und versumptem Auegebiet. Werner Abt von Fulda verklagte
Abt Gozbert von Hersfeld beim König Otto II (973-993). Der König entschied wie
ehemals sein Vater Heinrich I. Der Abt und das Kloster Fulda haben das Recht der
Schiffahrt und des Fischfanges auf und in der Hörsel. Die Hersfelder durften aber ihre Fischwehre behalten und weiterfischen. Sie erhielten aber die Auflage,
die Wehre so einzurichten, daß zwei Flußboote von je 3 Fuß Breite ungehindert
passieren können.
1014 Der Wildbann der Mark Lupnitz, seine wildreichen Wälder nördlich der Hörsel,
werden Heinrich II durch Schenkung an das Kloster Fulda gegeben.
1016 Der Wildbann des Klosters Hersfeld wird bis Salzungen ausgedehnt. Damit
entsteht eine Machterweiterung der dort herrschenden Dynastie, der Franken-
steiner. Unser Gebiet gehörte zu diesem Territorium.
Der König verbietet im "großen Forst" zum Schutz des königlichen Wildbannes
innerhalb des Gebietes die Rodung und die Anlage von Siedlungen.
(Das Wildbret ist neben dem Fisch eine wichtige Fleischnahrung, andererseits
ist die Jagd auch eine königliche privilegierte Beschäftigung.
1019 Heinrich der II schenkt dem Kloster Kaufungen, den Benediktinern, den Königshof
Hereicheshusen - Herleshausen. Dazu gehören die Siedlungen Wartha, Lauchröden
Sallmannshausen und Wommen. König Konrad, ein Salier (damit aus dem Ge-
schlecht der Frankensteiner, einer Seitenlinie der Henneberger), kommt zur Macht.
Unser Gebiet liegt dadurch in diesem Herrschaftsbereich zwischen Salzungen
und Thüringer Wald im großen Werrabogen.
1074 In Gerstungen finden Verhandlungen zwischen König Heinrich IV und den auf-
ständischen Thüringern und Sachsen statt.
1155 - Stedtfeld als Stetifeld wird erstmalig genannt. Das Kloster Fulda besaß dort
1166 slawische Untertanen.
1075 In Spichra, als Spihara benamt, kommt es zur Unterwerfung des aufständi-
schen Thüringer Adels
1235- Beginn des Baues des Dominikanerklosters in Eisenach (Bettelorden) .
1240 Der Landgraf schenkt dem Kloster viele Güter und Rechte. Bald gehören ihm
300 Acker Wald, Fischteiche und Feldfruchteinnahmen, unter anderem von
Großbehringen, Siebleben, Krumbach, Westhausen, Burkhardtroda und Neuenhof.
(Hier steht die Frage, ob dies unser Neuenhof war?)
1236 Wird der Ort Salmanshusin - Sallmannshausen genannt.
1279 Der Graf zu Brandenburg verkauft an das Eisenacher Katharinenkloster den Ort
zu der "Warth". Damit wird Wartha erstmalig erwähnt.
1283 Die sogenannte Lange Hessen wird mit Straßenzwang und Zolleinnahmen belegt.
1281 Die Grafen von Brandenburg verlieren ihren Grafentitel
1290 Landgraf Ludwig der Entartete gibt die Brandenburg an Apitz
1306 Apitz verpfändet die Westbrandenburg an die Stadt Erfurt
1322- 1383 Die Westbrandenburg ist im Besitz der Familie von Heringen
1330 Die Frankensteiner verkaufen im August 1330 einen Großteil ihres Besitzes
an die Henneberger (Sitz in Schleusingen ). Die ehemalige mächtige Dynastie
der Frankensteiner geht politisch und familiär zu Ende. In der Verkaufsurkunde gehen
74 benamte Höfe an die Henneberger, ein Rest an das Kloster Hersfeld. Es wird
dabei der Ort Neuenhof als Newinhain bzw. Newinhoffe, der Hof des Rangin
(Rangenhof), die Grenze zwischen Stedtfeld und Eisenach bei Rammisleyb'n
(Ramsborn) benannt. Der Rennsteig wird ebenfalls erstmalig dreimal in der Urkun-
de als Rynnestieg bezeichnet.
1340 Göringen wird erstmals als Besitz der Ritter der Brandenburg erwähnt.
1348 Wird erstmals genannt "Thüringer Wald" und "Frankenwald"
1347 Krauthausen erstmals genannt
1365 Der Zins von einem Teil von Hörschel wird von Reinhard von Brandenburg an das Marien stift in Eisenach verkauft.
1359 Bodo und Bertha von Reckrodt verpfänden Göringen an die Besitzer der Ost-Brandenburg von Herda
1378 Der Ort Erdingbrücken wird als fürstliches Lehen vom adeligen Herrn von Reckrodt
gekauft. Der Forstort und das Grundteil von Neuenhof, Herrenbrücken, erinnert an
die Wüstung.
1383 Die Verpfändung der West-Brandenburg an die Stadt Erfurt
1396 Die Brandenburg und Erfurt werden von Markgraf Wilhelm von Meißen erobert.
Im Friedensvertrag von Weißensee heißt es: "So umb Brandinberg daz Sloss,
daz gewonnen ist in offener Fehde ..." . Damit endet die Sicherung der "Hohen
Straße" nach Thüringen durch die Brandenburger.
1405 Der Ritter Johann vom Stein auf Burg Liebenstein verkauft Kemenate und Ort
"Zu dem Nuwenhoffe gelegen unter der Brandenburg" an Hellwig von Ruckus
für 300 Florint. Sie hatten es vorher als hersfeldisches Lehen von der Familie
von Nesselröden empfangen. Gleichzeitig empfahl der Beamte des Landgrafen,
Thomas von Buttelstedt, bei dem Dorfe Neuenhof eine Brücke mit Schlagbaum
über die Werra zu bauen und einen Bergfried zur Sicherung des Verkehrs nach
Hessen zu errichten.
(Die Deutung paßt sehr gut in den überkommenen Werraübergang bei Wartha
und in die starkwandige Kirchturmkonstruktion über dem hohen Neuenhöfer
Werraufer).
1415 Die Ost-Brandenburg wird als Besitz der Herren von Herda beschrieben
1411-1434 Georg von Reckrodt I wird Lehnsmann der West-Brandenburg. Er heiratet Gertrud,
die Tochter des Hellwig von Ruckus.
1441 Georg I wird mit dem Dorf Neuenhof belehnt. Der Neuenhof steht bis zur Ver-
schenkung an das Land Thüringen im Jahre 1936 im familiären Zusammenhang
der West-Brandenburg und den adligenFamilie von Reckrodt, Riedesel und von
Rotenhan.
1492 Die Witwe von Bertl von Reckrodt überweist der Kirchgemeinde Neuenhof einen
Pfarrhof mit Äckern, Wiesen und etlichen Zinsen. Damit wird Neuenhof ein selb-
ständiges Kirchdorf. Bisher war das Patrionat den Stedtfelder Herren und Pfarrer
unterstellt.
1517 Diese Jahreszahl soll unter dem Putz an der südlichen Ecke des Neuenhöfer
Kirchturmes stehen. Ebenfalls soll in der Sakristei ein Taufbecken mit der gleichen
Jahreszahl gestanden haben. Die beiden kleinen Glocken der Kirche weisen durch
ihren Gießer Caspar Balthasar Melchior Lucas auf das Entstehungsjahr im 15.
Jahrhundert hin.
1525 Wütet der Bauernkrieg inunserer Heimat. Alle Dörfer des Werratales der Ämter
Gerstungen, Hausbreitenbach, Creuzburg und Eisenach befinden sich im Aufstand.
also auch die Dörfer der Grundherren von Reckrodt, von Herda und von Boyneburgk.
Am 10. 05. 1525 rückt der Landgraf Philipp von Hessen in unseren Raum ein. Seine
Söldner brandschatzen die Dörfer und wo sie zogen, hingen nach damaligen
Darstellungen an allen Bäumen gefangene Bauern. Die Rache war furchtbar, ihre
Anführer wurden in Creuzburg und Eisenach mit dem Schwert hingerichtet.
Der Herzog berichtet: "Philipp hat das Gericht Creuzburg, Marksuhl und meiner
Vettern und der vom reckrodtschen Gericht (Neuenhof bis Sallmannshausen) auf
das höchste gebrandschatzt und die Wehr genommen. Er nahm auch den Bauern
alles Vieh. Neuenhof mußte außerdem ein Bußgeld von 50 Talern zahlen.
1533 Neuenhof wird als in vier Teilen gekennzeichneter Besitz beschrieben. Der
reckrodtsche Teil war ein Viertel und war bis 1703 im Besitz der Familie. Auch
der Ort Göringen war zur Hälfte reckrodtisch.
1503- Georg von Reckrodt II, ein Landknechtsführer in Diensten von Philipp von Hessen
1559 und des französischen Königs stehend, kämpft gegen den Kaiser und die katho-
lischen Fürsten. Als letzter Ritter der Brandenburg bezeichnet, ruht er in der Herles-
häuser Kirche.
1618 Der Dreißigjährige Krieg wütet in Deutschland und auch in unserer Heimat. Fremde
Landsknechtheere plündern und morden, dazu kommen mehrere Pestepidemien,
die die Bevölkerung stark dezimieren. 1626 und 1637 sind es kaiserliche Truppen,
besonders die Kroaten, die hier wüten. Das Kirchenbuch von Lauchröden berichtet
von einer gewissen Wohlhabenheit vor dem Krieg. 1626 treten erste Fälle von
Pest auf. Bei einem Bevölkerungsstand von 600 Personen starben 250 Menschen
an der Pest. Es wird vermerkt, daß von 1632 bis 1637 kein Getreide in die Böden
kam. Damals wurde die Kemenate der Brandenburg noch bewohnt, ehe die adligen
Familien nach dem Krieg in die bequemeren Kemenaten der Dörfer umsiedelten.
1639 Fordert Herzog Johann Ernst einen Bericht über den Zustand seines Landes.
Dieser Bericht zeigt die großen Wunden auf, die das Kriegsgeschehen verursacht
hat. So seien die Wohnhäuser vielfach öd, wüst, verfallen, eingerissen, abgebrannt
und die Menschen größtenteils gestorben, verdorben oder weggezogen. Die
Äcker wären nicht bebaut, öd und wüst. Es wären kaum noch Pferde und Rinder
vorhanden. Schafe und Schweine gäbe es nicht mehr; die Pestzüge hätten ganze
Landstriche menschenleer gemacht.
1657 Es wird von einem Besitzwechsel berichtet. Jost, Christoph von Herda schenkt dem
Eisenacher Dr. jur. Rödiger ein Viertel von Neuenhof. Erst 1777 verkaufen dessen
Nachkommen das Teil wieder an die Familie Riedeselzu Eisenbach.
1670 Ein schauderhaftes Erlebnis ist überliefert:
Die Witwe des Neuenhöfer Schmiedes, Euralia Kaiserin, wird der Zauberei be-
zichtet angeklagt und als Hexe öffentlich und lebendig in Neuenhof verbrannt.
Die Schmiede stand damals im westlichen Pfarrgarten.
1684 Ist das Fertigungsjahr der großen Neuenhöfer Kirchenglocke vermerkt Auf
der Glocke steht: "Anno 1684, Matteus Thoner von Wantorf gos mich."
1687 Es kommt der Ahnherr der Familie Leischner nach Neuenhof und übernimmt als
Schulmeister von Neuenhof und Filialen die Kindererziehung. Gleichzeitig heiratet
er die Tochter seines Vorgängers, Dorothea Hauser aus Hörschel, die aus der
berühmten Lindenpflanzerfamilie stammt.
1703 Mit Adam Ludwig von Reckrodts Tod stirbt die Manneslinie der Reckrodt aus.
Der Familienbesitz geht an seine Schwester Sophie Juliane über. Diese bringt
den Besitz an ihren Gatten, den Eisenacher Hofmarschall Adolph Hermann Riedesel
Freiherr zu Eisenbach. Er war gleichzeitig Erbmarschall der Landgrafschaft Hessen
und gehörte zur althessischen Ritterschaft.
1740 In dieser Zeit floriert bis ca. um 1780 der Kupferbergbau um Neuenhof.
Aus dieser Zeit stammen die noch heute sichtbaren Zeichen an Pingen und Schächte.
In den Schmelzhütten am Grund- und Bornwiesenteich wurde das im Neuenhöfer
Territorium gewonnene Kupfererz zu handelsfähigem Schwarzkupfer geschmolzen
und in die Welt verkauft.
1742 In einer Eingabe an den Herzog Ernst August wird vom Bergbau in Neuenhof be richtet. Es
ist die Rede von den großen Schwierigkeiten, die der Herr von Boyneburgk,Gerichtsherr
von Stedtfeld, der Gewerkschaft bereitet hätte. Er hätte ihr viele Steine in den Weg ge-
legt.Das Bergwerk hat der Gewerkschaft 10 000 Reichstaler an Kapital und Zinsen gekostet
und der Herzog möge der Gewerkschaft beistehen und einige Privilegien erneuern.
1754- 756 Es herrscht eine sehr große Hungersnot.
1756- Der siebenjährige Krieg zwischen Preußen und Österreich, Sachsen, Frankreich
1763 und Rußland geht nicht spurlos an Neuenhof und Umgebung vorüber. Die Durch-
züge und Einquartierungen der Truppen, der Druck zur Beschaffung von Lebens-
mitteln, Futter und Vieh sowie die Fuhr- und Vorspanndienste bringen vie Leid
über unser Land.
1757 Eine französische Armee von 24 000 Soldaten unter Feldmarschall Carl de Rohen
marschiert durch unser Land. Nach ihrem Rückzug geht sie in den westlichen
Thüringer Wald in Stellung. Ihr Standort ist unter der Bezeichnung "LL" im Dokument
des Lageplanes am Standort Borntal gegenüber dem Hohen Rod eingezeichnet.
Von diesem Lager aus wird Neuenhof mehrere Male auf das äußerste geplündert
und drangsaliert. Es wird ein Schaden von achttausend Taler festgestellt.
Ebenfalls wird das Riedeselsche Archiv vernichtet.
1761 Endlich ziehen die Truppen ab
1768 Die vier Söhne von Adolph Hermann Riedesel besitzen Neuenhof gemeinsam
(pro indivio). In diesem Jahr teilten sie sich den Besitz und durch Los fielen
Dreiviertel von Neuenhof an den dritten Bruder Volpert Christian, einem kursächsi-
schen Generalmajor.
1777 Erwirbt Volpert Christian Riedesel das letzte Viertel von der Familie Rödiger.
Volpert Christian Riedesel war, wie seine beiden anderen Brüder, unvermählt.
Nur der älteste Bruder hatte drei Söhne.
1799 Teilten die drei Söhne des ältesten Bruders Johann Wilhelm ihren Besitz. Neuenhof
bekam Friedrich Adolph Riedesel zu Eisenbach. Dieser war Soldat und braun-
schweigischer Generalleutnant. Er führte die von den Landesherren an die Engländer
verkauften Braunschweiger und Hessen in den amerikanischen Unabhängigkeits-
krieg. Seine Familie begleitete ihn während des Feldzuges und der Gefangenschaft.
Das Erbregister der Familie Riedesel weist Lehnsrechte in Neuenhof, Lauchröden,
der West-Brandenburg, Sallmannshausen, Falken, Pferdsdorf und Spichra aus.
1784 Der Bergrat Voigt gibt mit seinen Besuchen und den dabei ermittelten Erkenntnissen
über die Geologie und den Bergbau unserer engeren Heimat mit dem 11. Brief an
den Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe Auskunft über die Lage. Er beschreibt
auch die Stopfelskuppe und die Basaltspalte bei Hörschel.
1794 Die Neuenhöfer Kirche wird von Grund auf renoviert.
1800 Am 06.01.1800 stirbt der Generalleutnant und Gerichtsherr von Neuenhof, Friedrich
Adolph Riedesel.Im Neuenhöfer Schloßpark ist ein Erinnerungsstein an ihn und seine
Gattin aufgestellt.
1808 Sein einziger Sohn und Erbe, der spätere Landmarschall Adolf Georg Riedesel
Freiherr zu Eisenbach, zieht mit seiner Familie in die Kemenate von Neuenhof ein.
1812 Es wird erstmalig von einer Impfung gegen die ehemals verheerenden Blattern
geschrieben.
1806- Die napoleonischen Kriege von 1806 und die Befreiungskriege zeigen auch in und
1815 um Neuenhof ihre Auswirkungen. Am 25.9.1813 quartieren sich französische Truppen
in Neuenhof ein; beim Abzug müssen Vorspanndienste bis Fulda geleistet werden.
Am 18. 10. flüchteten die Franzosen nach der Schlacht bei Leipzig westwärts über
Eisenach und den Vachaer Stein. Hier fand ein Gefecht statt. Die Kursächsische Armee
begann ein Umgehungsmanöver und marschiert durch die Warthaer Flur. Ein sächsi-
scher Offizier gedachte, Beute zu machen. Der Neuenhöfer Gerichtsherr fährt den
erwarteten Befreiern und "Freunden" entgegen, wird aber mit der Pike geschlagen
und mit Geldforderungen drangsaliert. So flüchtet er nach Neuenhof zurück. Wartha
wird geplündert und gewaltsam zu Vorspann gezwungen.
1813 Nach der Schlacht bei Moskau zog sich die geschlagene französische Armee nach
Frankreich zurück. Ein versprengter Soldat wird von Neuenhöfer Einwohnern mit Gabeln
und Knüppeln gejagt und über das steile Zechsteinriff am "Hohen Rod" in den Tod
gestürzt. Heute heißt dieser Platz der "Franzosenfelsen". Dieser Mord bewegte damals
viele Menschen mit Abscheu.
1814 Die Rinderpest grassiert in unserenDörfern und viele Rinder sterben. Die übrig-
gebliebenen Tiere sind äußerst schwach, es kommt bei der Durchführung der Feld-
arbeit zu großen Schwierigkeiten
Am 08. 04. kam die Meldung, daß Paris genommen und der Krieg gewonnen sei.
Es wurde der Befehl erteilt, zu Ehren der vielen Gefallenen Gedenkfeiern zu halten
und zum Sieg ein Freudenfest zu feiern. In den Dörfern wurde Plattung als Salut
geschossen, die Glocken geläutet und auf den Bergen Freudenfeuer angezündet.
1817 Freiherr Georg Riedesel übergibt seinen Besitz an seine Frau Caroline.
1818 Wurde die Ammensteuer eingeführt. Für die Schuldiener (Lehrer) wird je Vermögens-
lage der Eltern eine Beisteuer verlangt.
1819 Im Frühjahr wird der Forstort "Steckenberg" abgeholzt und neu bepflanzt. Das Holz
wird auf der Werra nach der Saline Glücksbrunn geflößt.
1820 Wird eine Scharlachepidemie gemeldet.
1821 kommt es zu gehäuften Diphteriefällen mit Todesfolgen.
1820 Die Ablösung der feudalen Erbzinsen und Gefälle mit Geld und Boden beginnt.
Der Zwangsgesindedienst wird eingeführt. Am Lichtmeßtag (2. Februar) wird mit
der Übergabe des Dingtalers für ein volles Jahr Dienst verlangt. Bei Unterbrechung
kann Zwangsrückführung durch die Polizei erfolgen.
Die Freifrau Riedesel zu Eisenbach und die Freifrau von Herda schaffen sogenannte
Industrieschulen für die männliche Jugend.
1826 Wird ein Bergwerk in Göringen bei Neuhausen abgeteuft. Georg Riedesel kauft für
5000 Taler Kirche, Pfarrhaus und die zugehörigen Kirchenländer. Das Warthaer Werra-
wehr und der Grundbaum werden erneuert. Zur Himmelfahrtsfeier wird zum ersten
Mal auf der Brandenburg, wie zuvor auf dem Kielforst, mit Musik gefeiert.
1827 In diesem Jahr werden alle im Großherzogtum zu Lebende eingeschätzt und zur
Vermögenssteuer herangezogen. Die schnelle Schneeschmelze führt zum Hochwasser
der Werra. In der Werrafurt ertrinkt der Pferdsdorfer Jüngling Keuterling bei der Überfahrt.
Es herrscht Milzbrand beim Vieh, Geschwüre führen zum Tod. Neuenhof wird als
Ritterdorf dargestellt und mit 76 Häusern und 311 Einwohnern registriert.
1829 Der Neuenhöfer Anspanner und größte Bauer Heilemann fällt die Dorflinde und ver-
teilt das Holz an die Anwohner. Dafür wird er bestraft. Es wütet die Rinderpest im
Herbst, deshalb wurde Handelssperre verfügt. Abhilfe wurde durch Chlorkalkdesin-
fektion geschaffen.
1830 Die Cholera wütet wieder einmal. Das Werratal ist überschwemmt, das Futter ver-
schmutzt; dadurch kommt es zu Viehverlusten.
Am 12. 06. 1830 heiratet die einzige Tochter von Georg Riedesel, Marline, den
fränkischen Junker Dr. jur. Hermann von Rotenhan aus Rentweinsdorf. Damit kommt
mit den Rotenhans die vierte adelige Familie mit den Anfangsbuchstaben "R" zum
Besitz der Westbrandenburger Gerichtsherrschaft.
Es beginnt der Bau der "Hochstraße" Hörschel-Sallmannshausen-Gerstungen.
Der Bau gibt vielen Menschen aus der Region Arbeit und Brot. Eine Erinnerungstafel
am "Lusthäuschen" erinnert daran. Der komplizierte Ausbau des steilen Abhanges
am Lusthäuschen, die Überbrückung des Baches am Kühlleich, die Überwindung der
Sumpfstrecken am Miethölzchen, Schindgraben, Lachenrain verdeutlichen das fort-
schrittliche Unternehmen.
1831 Am 2. 02. wird die Warthaer Brücke eingeweiht. Damit wird die über Jahrhunderte
von Jahren betriebene Werrafurt überflüssig.
Die Brücke an der Kaiserwiese wird gebaut (eingemeißeltes Jahr).
1844 Im Februar und im April Überschwemmung.
1845 Die Eisenbahn wird inAngriff genommen. Vorher verlegen hunderte Menschen das Hörselbett und schaffen dadurch eine günstigere Wasserführung im Mündungsgebiet und für den Ort Hörschel.Im März wieder Überschwemmung und starker Eisgang, erst im April war das Was- ser wieder im Flußbett.
1846 Der riedeselsche Kammerdiener Hesse stellt sein Vermögen für die Schuljugend zur
Verfügung. Damit werden mit den jährlichen Zinsen Unterstützungshilfen für die Schul-
kinder ermöglicht. Größte Überschwemmung durch die Werra. Am 28. und 29. Januar
ist die Gefahr am größten. Mit Hilfe eines von Hörschel herbeigeholten
Kahnes werden der notleidenden Bevölkerung von Wartha Lebensmittel überbracht,
auch Brennholz. Die Bevölkerung rettet sich in die höheren Stockwerke, Schafe und
Schweine ebenfalls. Ochsen und Kühe stehen tagelang bis zu den Krippen im Wasser.
.1847 Im Frühjahr kommt es zu einer sehr großen Hungersnot. Durch Fürsorge von Riedesel
war auf der Kemenate eine Speisenanstalt für die Dorfarmen errichtet worden. Die
Weimarische Regierung gibt zu billigen Preisen Brotfrucht ab und stundet bis zum
Jahresende.
Der Eisgang beschädigt die Warthaer Brücke.
Der Bau der Eisenbahnstrecke Eisenach-Hörschel hat 600 Menschen der Umgebung
in dieser Zeit beschäftigt. Am 25. 06. war die Strecke fertiggestellt.
Am 23. und 24. August wird in Eisenach das Fest der Thüringer Singvereine auf dem
Mittwochsmarkt mit 1200 Teilnehmern gefeiert. Festorte sind auch das Mariental und
die Wartburg.
1848 Im Januar war es so kalt, daß der Schulbesuch unmöglich war. Im nachfolgenden Eis-
gang wird die Warthaer Brücke beschädigt. Die neugebaute Sallmannshäuser Brücke
wurde ebenfalls so stark beschädigt, daß sie 5 Wochen lang gesperrt werden mußte.
Pfingsten versammelten sich ca. 1500 Studenten aus allen Universitäten Deutschlands
in Eisenach. Auf dem Markt und im Mariental halten sie Kundgebungen ab, um dann
zur Wartburg zu ziehen. Ebenfalls versammeln sich aus ganz Deutschland 200 Lehrer
in Eisenach, um über eine zeitgemäße Umgestaltung des Lehr- und Unterrichtswesens
zu beraten.
1850 Die feudale Gerichtsbarkeit wird abgelöst. Letzter Gerichtstag im riedeselschen Ge-
richtsbezirk ist der 1. 4. 1850.
1850 am 1.9. wird zum ersten Mal in Neuenhof ein Gemeinderat gewählt.
Georg von Rotenhan wird Landtagspräsident von Sachsen-Weimar-Eisenach.
Der behindernde Wall am oberen Ende der Dorfgasse wird durchstoßen und abgetra-
gen. (Erinnerungsstein).
Einquartierung von 43 Soldaten wegen Zerwürfnis der Kurhessischen Regierung
und der Landstände (Preußische Husaren).
1851 Werrahochwasser
1852 Wieder Notzeit - viele almosenbedürftige Menschen - Brotpreise steigen - Einrichtung
einer Suppenanstalt.
Die Felder des Gutes werden drainiert. Dies schafft Arbeit für Arbeitslose. Arme und
Kranke werden mit Gemeindegeldern unterstützt. Es wandern viele Einwohner nach
Amerika aus.
1854 Brotmangel und Teuerung, Eisenacher Metze Korn kostet 19 g Gr. Hessen sperrt die
Getreideausfuhr.
1855 Im Juli Werrahochwasser mit viel Schäden, Kornpreis bis 22/Metze
1856 Die Eigentümerin der West-Brandenburger Liegenschaften, Caroline Freiin Riedesel,
macht nach dem Tode ihres Gatten, des hochangesehenen Landmarschalls Georg
Riedesel Freiherr zu Eisenbach, am 1. 10. 1856 mit ihrer Tochter Marline von Rotenhan
und ihrem Enkelsohn Georg von Rotenhan einen Erb- und Kaufvertrag.
1857 Der neue Friedhof am Bromstück des Botenfeldes wird von Caroline Riedesel zur
Verfügung gestellt. Sie ist die erste, die nun dort ruht. Damit endet die Nutzung des
alten Gottesackers am Jipprain an der Kirche.
1861 wird der Felsenkeller bergmännisch abtgeteuft und ausgebaut. Seine Einweihung mit
Waldgaststätte, Saal, Kegelbahn, Schießstand und dem Bierkeller ist ein großes Ereignis.
1862 In der Nacht vom 30. zum 31. Juli nach einem Wolkenbruch stieg die Hörsel unbemerkt
und so schnell, daß die Müllersleute in Hörschel im Schlaf überrascht wurden und
auf Grund des durch die Fenster hereinkommenden Wassers nur ihr Leben retten
können. Hörsel- und Werraaue ist ein einziger See. Ganze Fuhren Getreidegarben und
Baumstämme kommen geschwommen. Das neue Mühlwehr ist vernichtet. Nach
Eisenach kann man nur zu Pferd über den Clausberg gelangen.
Es wird als ein Jahrhunderthochwasser beschrieben.
1863 Die alte baufällige Neuenhöfer Kemenate wird abgerissen und ein neues Schloß an
dieser Stelle errichtet. Der Bau brachte einen guten Verdienst für die Neuenhöfer
Tagelöhner.
1864 Im Oktober wird das neue Schloß von den Schloßherren bezogen. Ein Unglücksfall
beschattet den Bau. Der Göringer Tagelöhner Steinbrecher, einziger Versorger der
Familie und Bräutigam, wird im Steinbruch im Herrenbrückengrund verschüttet und
getötet (heißt heute noch der Totenbruch).
Es wird der Zukauf von den Forstorten Frankenstein, Wolfanger, Marktpfad, Höhnes
und der Große Eichelberg von dem aufgelöstenBesitz des Deubachshofes durch
Georg von Rotenhan vorgenommen. Einhundert Acker werden sofort auf dem "Großen
Eichelberg" gerodet und zu Ackerland gemacht. Dadurch war ein guter Verdienst für
die Tagelöhner gegeben, sie machten sich Hoffnung, dadurch Pachtland zu bekommen.
1865 Seit Palmsonntag bis nach Ostern ist die Werra über die Ufer getreten. Der Pfarrer
mußte mit dem Schiff zur Kirche von Wartha fahren. Mit Brettern und Leitern kamen die
Warthaer Einwohner von Hof zu Hof.
Die Trichinose kommt vor, es wird erstmalig mit dem Mikroskop das Vorhandensein
nachgewiesen. In diesem Jahr unterblieb die Eisernte und der Neuenhöfer Brauerei entstand
dadurch ein großer Schaden für die Bierherstellung.
1866 Der Deutsche Krieg ist ausgebrochen. Unsere Heimat wird mit einbezogen.
40 000 Mann marschieren rheinwärts. Eine Brigade marschiert durch Neuenhof.
Die Eisenbahnbrücke wird bewacht und die Straße nach Spichra gesperrt.
Die Hannoveraner suchten sich mit den Bayern zu vereinigen. Eine Patruille mit
dem Bruder der Gattin des Barons Georg von Rotenhan, von Bernsdorff, kommt in
Gefangenschaft und soll erschossen werden. Ein Kniefall der Schwester vor dem
Großherzog mit der Bitte um Vermittlung beim preußischen König rettet ihm das Leben.
Neuenhof hatte eine große Gefahr gedroht, die aber durch den Gang der Dinge
glücklich abgewendet wurde.
Im Juni werden die Gothaer von den Preußen, hauptsächlich Polen aus Posen,
abgelöst. Die Kampfhandlungen zogen sich nach Langensalza hin, wo auch die
letzte Schlacht geschlagen wurde. Vorher zogen in Neuenhof preußische Truppen
ein und verwandelten Neuenhof in ein Kriegslager. Ein plötzlicher Alarm ließ die
Truppen aber im Nu wieder verschwinden. Später kamen Truppen über Truppen
einschließlich der hannoverschen Beute durch Neuenhof gezogen. Von den in Neuen-
hof liegenden Soldaten sind bei Langensalza vier Offiziere und dreihundert Solda-
ten gefallen.
1868 Seperation der Warthaer Flur.
Ein großes Hagelunwetter mit riesigen Schäden wird gemeldet.
1870 Auch in diesem Jahr war wieder die Werra über die Ufer getreten. Es kam zu
Baumschäden durch Eisschollen. Ein jüdischer Händler war mit Pferd und Wagen
von Herleshausen nach Eisenach gefahren. Auf der Rückfahrt war die Werra so stark
angestiegen, daß sie nur unter Lebensgefahr auf der Herleshäuser Straße durchfah-
ren werden konnte. Er riskierte es, kam durch die Strömung aber in die tieferen Stel-
len. Nun versuchte er, sein Pferd zu retten, aber die Fluten drückten ihn unter Wasser
und beide ertranken. Plötzlicher Frost ließ danach alles in einen Eispanzer erstarren.
Erst im Frühjahr schmolz er ab. Das Pferd wurde festgefroren hinter dem Ort gefunden
und den Mann konnte man erst im Frühjahr unten im Warthaer Feld bergen.
1871 Weit bedeutender als das Wasser 1870 war das Hochwasser 1871. Am 22. und 23.
Juni standen Wartha und Hörschel unter Wasser. Die älteren Leute konnten sich an
eine solche Wasserflut nicht erinnern. Acht Tage dauerte es. Hilfe für das Vieh kam
von Neuenhof. Mit Kähnen wurde Klee und Stroh dorthin transportiert. Die gesamte
Ernte von Wartha war vernichtet. Ein Ertrunkener konnte, da der Warthaer Friedhof
unter Wasser stand, nicht in Wartha, sondern Neuenhof begraben werden.
Tausend Taler war allein der Schaden an den Gebäuden groß.
Der deutsch-französische Krieg brachte das Deutsche Reich. Es sind drei Gefallene gemeldet.
1871- 1872 Die drei Gemeinden bauen inNeuenhof eine neue Schule mit zwei Schulsälen.
Die alte Schule wird Lehrerwohnung.
1873 Georg von Rotenhan läßt zur Sicherung seines Wildbestandes in einer Nacht- und
Nebel-Aktion einen festen Wildzaun von dem Michelsgraben über Blöße, Tittelholz,
Markpfad bis zur Hörsel am Frankenstein bauen.
1874 Es wird das Volksschulgesetz erlassen. Je Schulkind sind vier Mark im Voraus zu entrichten.
1876 Das Gemeindebrunnenwesen wird durch den Neubau von Windbörnern in der Acker-
delle, Eisenacher Gasse, in der Warthaer Gasse erweitert. Neuenhof erhält ein
Standesamt. Der Turnplatz wird von Rotenhan für die Schuljugend zur Verfügung gestellt. Es werden Turngeräte angeschafft. Eine neue Feuerspritze wird gekauft.
1878 Die sogenannte Gemeindegerechtsame wird abgeschafft und die bisherigen unentgeltlichen
Frondienste für die Gemeinde werden zukünftig gegen Lohnzahlung durchgeführt.
1882 Die Werra ist in diesem Jahr achtmal über die Ufer getreten.
1883 Geschieht in Neuenhof ein Mord an einer jungen Frau, die zuerst vermißt, später
aber an der Brücke in Creuzburg angetrieben worden war. Der Mörder entzog sich
der irdischen Gerechtigkeit durch Selbstmord im Wald hinter dem "Hohen Rod".
Wie berichtet, war er von den Raben gefressen worden.
1891 Ist wieder eine Überschwemmung
Hörschel bekommt am 01. 11. 1891 eine eigene Eisenbahnhaltestelle.
1893 In diesem Jahr war eine außergewöhnliche Dürre.
1894 In Neuenhof wird der Darlehnskassenverein Raiffeisen gegründet.
Auf dem Georgenplatz findet das Missionsfest statt.
1902 In Neuenhof wird der Gesangverein gegründet.
1904 Herrscht eine große Trockenheit.
1908 Neuenhof baut sich eine Wasserleitung. Von der Quelle am Teichrain über den
Hochbehälter fließt das Wasser zu den Zapfstellen der Häuser. Später wird auch
der Ort Hörschel angeschlossen.
1909 Am 04. 02. bricht das Eis der Werra auf und es kommt zu Hochwasser. Wie
schon oft, kommt es zu Mangel an Kochwasser und Futternot.
Inspektor Wischmann und Förster Schulz bringen von Neuenhof Hilfe; auch das
Vieh wird in Sicherheit gebracht. Die Flut steht höher als 1871. Der Überfahrtkahn wird zum
Personentransport eingesetzt. Am Miethölzchen stand das Wasser über einen Meter hoch.
1911 Dieses Jahr geht als großes Dürrejahr in die Geschichte ein. Der neue Kuhstall wird gebaut.
Gleichzeitig werden die neuen Eiskeller errichtet. Drei Eiskeller nehmen den Eisvorrat für das
ganze Jahr auf. Bei den Schachtarbeiten wird der Baumeister verschüttet.
1914 Am 22. 04. verstirbt der Freiherr Georg von Rotenhan. Seine Beisetzung erfolgt
unter Beisein des Großherzogs auf dem hiesigen Friedhof. Der Nachfolger , der
älteste Sohn Hermann, zieht von Lauchröden ins Neuenhöfer Schloß.
Neuenhof hat zum damaligen Zeitpunkt 400 Einwohner. Es kommt zur Stillegung der
Neuenhöfer Brauerei und zum Verkauf der Warthaer Werramühle.
Am 01. 08. bricht der erste Weltkrieg aus. 21 Neuenhöfer mußten sich sofort stellen. Nach
Pfarrer Thieme sind 65 Männer aus Neuenhof, 17 aus Hörschel und 20 aus Wartha an
der Front. 1918 ist der Krieg zu Ende. 14 Neuenhöfer Männer sind gefallen. Der Kaiser
flieht nach Holland, der Großherzog tritt zurück. Deutschland wird eine Republik.
Folgende Ereignisse sind noch zu vermelden: Kriegsgefangene planieren den tiefen
Hohlweg über das Tittelstück, es kommt zur Seperation der Neuenhöfer Flur. Ein schweres
Gewitter reißt den tiefen Graben hinter der Mühle auf und zerstört den Kemenatenteich.
1919- 1920 Die letzten Soldaten kehren heim. Eine neue Gemeindeordnung entsteht. In Deutsch land herrschen trostlose Zustände. Die Lehrer stellen die kirchlichen Hilfsdienste ein.
1922 Schon 1918 kam die Elektrizität nach Neuenhof. Es erfolgte der Anschluß an die Überlandleitungszentrale Stockhausen. Die alte E-Leitung war vorher ungleichmäßig und kriegsbedingt aus schlechtem Material hergestellt. 1921 wurde zur Verstärkung der Kapazität das alte Stauwerk der Hörscheler Mühle wieder hergestellt und zu einem Kraftwerk umgebaut. Gleich darauf wurde ebenfalls die alte Werrasägemühle umgebaut und eingerichtet. Dies geschah auf Initiative von Kohlrausch. Danach wurde das Leitungsnetz mit Kupferdraht erneuert. Im Krieg war 1918 die Hörscheler große Glocke eingeschmolzen worden und1922 wurde eine neue aus Klangstahl von der Fa. Schilling aus Apolda für 150 000 Mark beschafft.
1923 Es kommt zur Inflation, zur großen Geldentwertung. Am Ende 1923 stabilisiert sich die Wäh rung.
10 Milliarden - 1 Pfennig , 100 Milliarden - 10 Pfennig , 1000 (1Trillion) - 1 Mark
1928 Das Rittergut wird nicht mehr eigenständig bewirtschaftet, eine Pachtgenossenschaft mit 41,3 ha
Kleinparzellen 18,6 ha
ein Restgut 73 ha
gebildet und verpachtet. Allein der Wald verbleibt in Rotenhanscher Direktver-
waltung. Im Winter kommt es zu außergewöhnlichen tiefen Temperaturen.
Fast alle Obstbäume erfrieren, große Wildverluste entstehen, die Wasserleitung
friert ein und taut erst Pfingsten 1929 wieder auf.
1930 Die Weltwirtschaftskrise macht auch um Neuenhof keinenBogen, die meisten Neuenhöfer
Arbeiter sind arbeitslos und stempeln. Viele sind ausgesteuert und Sozialhilfeempfänger.
Notstandsarbeiten, meistens Straßenbauten, werden organisiert. Gutscheine - meist imWert
von vier Mark - zur Steuerung der größten Not werden ausgegeben.
1931 Die Straßen sind den gewachsenen Belastungen des Autoverkehrs nicht mehr gewachsen.
Die Hörscheler Brücke bricht ein, deshalb wird sie durch eine breitere Betonbrücke ersetzt.
1933 Werden die Pfeiler der Werrabrücke betoniert. Die stehengebliebenen Eisenver-
schalungen werden durch einen Taucher unter Wasser autogen abgeschnitten.
Der faschistische Nationalsozialismus kommt an die Macht.
1935 Im August wurde die Kreisstraße Eisenach - Gerstungen von Eisenach bis vor die Warthaer
Werrabrücke geteert.
Es werden alle politischen Parteien verboten. Es wird mit einer beispiellosen
Hetze, vor allem gegen die in Herleshausen wohnenden Juden, begonnen.
Wer von den Bauern mit den Juden handelt, bekommt Schmähschriften ans Hoftor
gemalt. Eine ungehemmte damagogische Verhetzung und Beeinflussung der
Menschen mit Parolen wie "Juden sind unser Unglück", "Volk ohne Raum",
"Schanddiktat von Versailles" und die Theorie von den "Herren- und Untermenschen"
wird durchgeführt. Mit dem Reichsarbeitsdienst (0,25 Mark Stundenlohn), der Methode der
"Ernährungsschlacht" und der Parole "Kanonen statt Butter" wird systematisch der kommende
Krieg vorbereitet. Die Straßennamen werden geändert.
1936 Die West-Brandenburg, die jahrhundertelang im Besitz der Familie der Reckrodt,
Riedesel und Rotenhan war, wird an das Land Thüringen verschenkt.
1937 Auch in der Kirchgemeinde Neuenhof ist das Gemeindeleben faschistisch beeinflußt.
Dagegen bildet sich eine starke kirchliche Opposition. Die Bekenntnisfront unter dem tapferen Vikar Walter Papst findet unter den Christen von Neuenhof, Hörschel und Wartha eine große
Resonanz. Der Freiherr von Rotenhan stellt das Pflegehaus der Marienstiftung für den
Gottesdienst zur Verfügung. Dieses ist im,Gegensatz zu dem in der Kirche stattfindendem, Gottesdienst der "Deutschen Christen" brechend voll besucht.
.
1939 Der Krieg beginnt mit dem Überfall auf Polen. Gefangene Polen werden mit einem
„P" gekennzeichnet, sie dürfen nicht mit am Tisch sitzen. Mißhandlungen kommen vor.
1941 Der Krieg geht weiter; nach Frankreich, Norwegen, Griechenland wird die Sowjetunion
überfallen. Kriegsgefangene Russen sterben zu Hunderten im Gefangenenlager
von Herleshausen. Massengräber am Kielforst mahnen.
1942 Der Krieg kommt auf Deutschland zurück. Luftschlachten auch über Neuenhof.
Verwundete Amerikaner befinden sich auf dem Gutshof, wo eine tapfere Magd
sie unter Protest der Nazis verbindet.
Die Neuenhöfer Kirchenglocken werden vom Gestühl genommen und zur
geplanten Einschmelzung nach Bremen gebracht. Glücklicherweise geschieht
das aber dort nicht und sie kommen nach dem Krieg 1949 nach Neuenhof zurück.
1945 Am 01.04. stoßen amerikanische Panzerspitzen zur Werra vor. Die Brücken werden
gesprengt. Die Autobahnbrücke, damals provisorisch aus Holz gebaut, wird verbrannt.
Die Bevölkerung flüchtet in die Wälder.Sie sucht in Höhlen und Kellern Schutz.
Deutsche Verbände, die in den Bergen zur Verteidigung in Stellung gegangen waren,
schießen auf die Amerikaner und lösen damit den Beschuß auf die Werradörfer aus.
Der Neuenhöfer Volkssturm kämpft nicht und löst sich auf. Die Neuenhöfer Bürger
verjagen mit der Axt kampfbereite Hitler-Jungen. Zusammen mit dem Melker Willi
Buntrock wird die weiße Fahne gehißt und somit Neuenhof vor der Zerstörung gerettet.
Lediglich die Scheune von Wilhelm Leischner und der Kuhstall verbrennen. Die Zer-
störung von Hörschel, Spichra und Creuzburg sind das Ergebnis eines unsinnigen
Widerstandes.
Bilanz des Krieges sind unzählige Opfer.In Neuenhof sind 28 Männer gefallen, viele
Neuenhöfer sind noch lange Jahre in alliierter Kriegsgefangenschaft.
Alles liegt am Boden, viele Menschen sind heimatlos, verschleppt und krank, überall
herrscht Hunger, das hat der Krieg gebracht.
Ursprünglich war Neuenhof , wie ganz Thüringen, von den Amerikanern besetzt.
Aber im Juli 1945 rückt entsprechend den alliierten Beschlüssen die Rote Armee in
unser Gebiet und somit auch in Neuenhof ein. Das Schloß, das Pfarrhaus und die
Häuser am Schulplan werden zur Kaserne und von denBewohnern geräumt. Die Schule
wird in den Felsenkeller umquartiert. Antifaschisten übernehmen die Verwaltung.
Die alten, bisher verbotenen Parteien konstituieren sich wieder. So die SPD, KPD
und die LDPD. Sie beginnen in dieser schweren Zeit mit dem Wiederaufbau in der
Gemeinde.
Auf alliierten Beschluß kommt es zur demokratischen Bodenreform. Am 20.09.1945
beschließt die Landesverwaltung von Thüringen die Bodenreform. Auch in Neuenhof
bildet sich ein Reformkomitee. Zur Verteilung kommen der Boden und die Wälder aus
dem Rotenhanschen Besitz. Der alte Freiherr Hermann von Rotenhan war im Krieg
1942 und seine Gattin 1944 verstorben, der Erbe Konrad in Kriegsgefangenschaft.
Es wurde verteilt:
132,8 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (455,2 ha Neuenhöfer Flur, 121,3 ha Stedtfelder
Flur) und 431 ha Wald. Weiter 12,8 ha sonstige Flächen, davon 3,38 Ödland und Wege,
0,44 ha Teic he, der Park von 3,81 ha, 0,85 ha Hofraiten und 4,34 ha Steinbrüche und
Leeden. Das Schloß wird der Gemeinde und das Pflegehaus des Marienstiftes der
Kirche zugeteilt.
1945- 1946 Es erfolgt die Eingliederung der vielen Evakuierten und Flüchtlinge in das Dorfleben.
Sie werden, so gut es geht, mit Wohnung, Arbeit und dem Nötigsten versorgt.
Es herrscht überall eine unbeschreibliche Not an allem. Das Pfarrhaus wird in diesen
Jahren zum Asyl für Obdachslose. Es kommt zur Vereinigung der beiden Parteien
SPD und KPD. Die erste Wahl nach dem Krieg wird durchgeführt.
Die Partei LDPbekommt die Mehrheit und stellt denBürgermeister Hoßbach.
1947 Ist ein großes Dürrejahr. Die Dorfschmiede Nölker und Wiener fertigen für die
Bauern die nötigsten landwirtschaftlichen Geräte. Flurwachen sorgen für die Einstel-
lung der übernhand nehmenden Felddiebstähle. Die "Innere Mission" der evangeli-
schen Kirche pachtet das Neuenhöfer Schloß von der politischen Gemeinde und
richtet unter Leitung der Schwester Minna ein Altersheim ein.
1949 Gründung der DDR.
Gründung der MAS (Maschinen-Ausleih-Station). Die MAS-Station Marksuhl übernimmt
für die Neuenhöfer Bauern Feldarbeiten zu sehr geringen Preisen.
Die Neuenhöfer Bauern liefern solidarisch Zuchtvieh nach Mecklenburg.
1951 Am 08. 02. wird die Ortsvereinigung der Gegenseitigen Bauernhilfe gegründet.
Gleichzeitig wird eine Differenzierungskommission gebildet, diese schlüsselt das damals
gültige Ablieferungssoll an landwirtschaftlichen Produkten auf.
Die Milchschafbockhaltung wird von Ernst Baum und Friedrich Leischner betrieben.
1952 Am 23. 03. wird der Neuenhöfer Gemeindewald unter Protest der Volksvertreter
zu Volkseigentum erklärt.
1953 Es bildete sich eine Jagdgemeinschaft Neuenhof als Sektion der Gesellschaft für
Sport und Technik.
Die Demarkationslinie wird zur Staatsgrenze und hermetisch abgeschlossen. Es wird
ein Sportverein gebildet und die Sportsfreunde bauen sich im Eckardtsgrund und später auf
dem Hoffeld einen Sportplatz.
Es wird das Grenzgebiet zur Bundesrepublik zur Sperrzone erklärt und darf nur
mit der dafür gültigen Genehmigung betreten werden.
Das Schloß wird zur Kaserne der Grenzpolizei und die bisherigen Altersheimbewohner
nach Eisenach umgesiedelt.
1959 Im Februar gründen Neuenhöfer Bäuerinnen und Bauern eine Genossenschaft zur
gemeinsamen Bewirtschaftung des Ackerlandes, um die Technik besser einsetzen
zu können. Sie geben ihr den Namen "Heimatblick". Es herrscht in diesem Jahr
eine große Trockenheit. Die Bauern richten an der "Borntalspitze" eine gemeinsame
Jungrinderweide ein.
1960 Die genossenschaftliche Umgestaltung wird vollendet, alle Bauern sind jetzt in
der LPG Typ I.
Die neue Schule auf dem Gelände des alten "Schützengarten" wird nach ihrem Bau
eingeweiht.
1961 Die Mauer in Berlin wird gebaut, auch bei uns wird die Grenze zur Bundesrepublik
und zu Hessen unpassierbar gemacht.
1962 Das alte und baufällige "Rote Schloß" wird abgebrochen.
Eine zweite Rohrleitung zur Stabilität der Trinkwasserversorgung wird verlegt.
1963 Die alte Faßhalle der ehemaligen Brauerei mit dem darunterliegendem Eiskeller
wird zum Einkaufszentrum der Konsumgenossenschaft Neuenhof ausgebaut und in
Betrieb genommen.
1964 Die Ackerdelle wird kanalisiert.
1965 In diesem Jahr wird auch die Eisenacher Straße kanalisiert und, soweit das Geld reichte (bis zur Ackerdelle) asphaltiert. Eine Ringleitung zur Wasserversorgungs anlage an der Tiefboh- rung am "Langen Streif" wird verlegt, um die Wasserversorgung von Hörschel zu stabilisie ren.Der Michelsgraben wird verrohrt, der Schrottplatz dort eingerichtet.
1969 Nachdem die Kaserne der Grenztruppen auf dem Ufer errichtet worden war, ist das
Schloß nun freigeworden und wird von der Gemeinde Neuenhof wieder übernommen
und von ihr eingerichtet. Es beherbergt nun Arztzimmer, Jugendclub, Kindergarten
Büro der Landwirtschaft und vier Wohnungen. Die Kirche erhält ein neues Dach und in
den Turmknopf werden am 28. Mai 1965 Dokumente eingelegt.
Die vier landwirtschaftlichen Genossenschaften schließen sich nach eingehender
vorheriger Diskussion zur Verbesserung ihrer Arbeit zu einer Genossenschaft des
Typ I mit Namen "Vereinte Kraft" zusammen. Ihr Büro richten sie im Neuenhöfer Schloß ein.
1970 Auf dem Friedhof wird ein Grundstück von der politischen Gemeinde erworben und
eine moderne Leichenhalle gebaut. Als langjähriger Betreuer ist der Bürger Friedrich
Siebert zu nennen.
1973- 1976 Zur besseren Nutzung der Neuenhöfer Hanglagen, aber auch der der anderen Dörfer
erfolgt die Umorganisation der Feldwirtschaft. In Vorbereitung wird auf dem "Krieß" eine Jungrinderaufzuchtanlage für eine Kapazität von 2000 Kälbern und Jungrindern aufgebaut.
1974 -1976 wird beschlossen, den Ort Hörschel mit Neuenhof als Gemeindeverband zu bilden.
Es herrscht ein Trockenjahr, das den Bach versiegen läßt, was noch niemals passiert
war. Wasser mußte aus Eisenach zugefahren werden. Am "Pichkessel" wird ein neues
Feuerwehrgerätehaus aufgebaut.
Auf Beschluß des Rates des Kreises wird der Bauernwald vom Staatlichen Forstwirt-
schaftsbetrieb übernommen und betrieben.
Die ehemalige Baracke der Grenzpolizei brennt ab.
Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft geht zum Typ III über. Sie verkauft ihre
Kühe und mit dem Geld werden Kälber und Jungrinder eingekauft und in die neue Stallanlage
eingestellt. Gleichzeitig schließt sie sich mit der LPG PFerdsdorf zusammen und heißt nun
"Friedenswacht Neuenhof".
Ein neuer Trinkwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von eintausend Kubikmeter wird
neben den alten Behälter gebaut und in Betrieb genommen.
1978 Die Feldwirtschaft wird als kooperative Abteilung Pflanzenproduktion aus dem gemeinsamen
Prozeß herausgelöst und später als eigenständige Genossenschaft weiter betrieben.
1980 Die Warthaer Straße und die Waldstraße werden kanalisiert.Am "Langen Zug" vor dem Grund-
teich wird zur Verbesserung der Wasserversorgung eine Tiefenbohrung niedergebracht.
Die Rinderbestände werden leukosesaniert. Am 1. 6. entstehen in den Wäldern große Sturm-
schäden. Viele Helfer aus der Gemeinde räumen den Wald mit auf.
1981 Am 12. und 13. März entstehen durch Hochwasser Dammbrüche und setzen die Werraaue
unter Wasser. Ebenfalls am 10. und 12. August sind wiederum durch Hoch wasser
Schlauchbooteinsätze zur Versorgung der Menschen nötig.
Im Dezember bringen Sturmböen und Naßschnee den Wäldern unermeßlichen Schaden.
Es beginnt der Aufbau der großartigen Autobahnbrücke über das Werratal. Zwischen
Zickelsberg und Hörselberg arbeitet die Firma "Hoch Tief" an dem Bauwerk.
In Pferdsdorf wird eine Betonmischanlage eingerichtet. Ihre Arbeiter sind in einem
Lager in Stregda untergebracht.
1982 Im Januar ist wiederum Hochwasser und Überschwemmung.
Am 11. 8. kommt es im Bergeraum der Jungrinderanlage zu einem Schwelbrand, der
aber rechtzeitig bemerkt und gelöscht werden konnte.
Der Park wird rekonstruiert, Wildwuchs beseitigt und Schneisen wieder frei gemacht.
An das Feuerwehrgerätehaus wird als Anbau ein Sportlerheim errichtet. Die Initiatoren
sind der Sportverein und die Feuerwehr.
1983 Am 23.07. kommt es wieder zu einem Brand in der Jungrinderanlage. Ein deformierter
Lüfter zur Heutrocknung hatte Kontakt zum Gehäuse und Funken erzeugt. Es entseht
großer Schaden.
1983 war wieder ein Trockenjahr mit Wassermangel.
1984 Auf der Grundwiese unter dem Kirchtal wird eine Trafostation für die Wasserversor-
gungsanlage errichtet. Dazu wird der Grund aufgegraben und die E-Leitung und
Steueranlage verlegt. Anschließénd wird noch eine weitere Tiefenbohrung an der
"Dürren Wiese" gebohrt und angeschlossen. Vorher war als Notübergangslösung
die alte, vor dem Krieg angelegte, Tiefenbohrung der Autobahn in Hörschel zur Wasserversor- gung genutzt worden. Jedoch ein Salzwassereinbruch aus dem Grundwasserbereich der Werra beendete diese Aktion.
In Hörschel wird im "Klein Feldchen" ein 24-WE-Wohnblock gebaut und bezogen.
Am 19. 12. 84 beginnt die Autobahnüberfahrt über die neue Werratalbrücke.
Gleichzeitig nimmt die neue Grenzübergangsstelle Wartha auf dem Deubachshof
ihren Betrieb auf. Die DDR-Presse würdigt dieses wichtige Ereignis mit keiner Silbe.
Der Sommter in diesem Jahr ist ausgesprochen kühl, 2,2 Grad Celsius unter normal,
am 12. 6. unter Null Grad.
1986 Vom 18. bis 20. Juli werden im Park unter der großen Anteilnahme der Bevölkerung
die zweiten Kooperationsfestspiele durchgeführt.
1987 Die ehemaligen Eiskeller der Brauerei werden unter Schutz gestellt, da eine große
Kolonie von Fledermäusen (Kleines Mausohr) dort lebt. Gleichzeitig werden die
geologischen Naturdenkmale "Riffe und Kupferschieferband an der Alten Gemeinde"
und der Erdfall auf der "Donnerkaute" unter Schutz gestellt.
Neuenhof hat in diesem Jahr 570 und Hörschel 260 Bürger.
Der Sportplatz erhält eine Beleuchtungsanlage und die Freiwillige Feuerwehr eine
Funkanlage.
Der Winter gehört zu den kältesten Wintern des Jahrhunderts. Vom 10. bis 12. Januar
herrschten 30 Grad Kälte.
1988 Am 01. 12. kam es zu einer schweren Eisbruchkatastrophe in den Wäldern um Neuenhof.
1989 Am 13. 03. war ein Gebirgsschlag mit Erdbeben und Stärke 5,5 der Richterskala,
hervorgerufen durch einen Einsturz im Kaliabbaugebiet Vacha, Merkers.In Neuenhof waren die
Stöße heftig zu vernehmen.
In der Hörscheler Kirche wird ein Friedensgebet vollzogen.
Am 15. November wird die Grenze zwischen Wartha - Herleshausen geöffnet.
Das Grenzsperrgebiet wird beseitigt.
Am 27. 12. wird eine Holzbrücke über die Werra zwischen Lauchröden und Herleshausen
gebaut und verbindet nun Thüringen und Hessen.
1990 Die Tradition des gesamten Rennsteiges von Hörschel an der Werra bis Blanken-
stein zur Saale lebt wieder auf. Ein Faltblatt mit den fast vergessenen Daten im
ehemaligen Sperrgebiet wird verfaßt und verbreitet. Hinweisschilder werden ge-
schnitzt und aufgestellt. Im März leuchtet weithin an der ehemaligen Grenze ein durch
Fahnen gekennzeichnetes Herz. Es gründet sich der Rennsteigverein in Hörschel.
Am 06. Mai kommt es zur Kommunalwahl und am 30.Mai zur Konstituierung der neuen
Gemeindevertretung. Der neue Bürgermeister Siegfried Lieske übernimmt sein Amt.
Im Juli werden Informationen zum beabsichtigten Erdgasleitungsbau gegeben.
Die Neueindeckung des Turnhallendaches der Schule Neuenhof wird durchgeführt.
Die Hauptsatzung der Gemeinde wird neu erarbeitet und beschlossen. Ein neues
Siegel der Doppelgemeinde mit dem Laubbaum für Neuenhof und der Fichte für
Hörschel wird ebenfalls beschlossen. Im September werden die Sanierungsarbeiten
an der Streckenführung der Eisenbahnverbindung Eisenach - Bebra begonnen.
Die Brücke und die Stützmauer werden daniert. Von der Gemeinde wird ein Antrag
zur Überlassung der ehemaligen Grenztruppenkaserne auf dem Ufer gestellt.
Am 2. Oktober findet im Park eine Feierstunde zur Wiedervereinigung und auf dem
"Großen Eichelberg" ein Freudenfeuer statt. Der Landtag des Landes Thüringen
wird gewählt. Es wird mit der Firma Südhannover/Nordhessen über den Erdgasan-
schluß verhandelt. Der Deutsche Bundestag wird gewählt. Abschluß eines Konzes-
sionsvertrages für unsere Orte für die Gasversorgung.
Die Einheit Deutschlands ist wieder hergestellt.
1991 Umstellung der Jagdausübung auf der Basis des Grundeigentums.
Die alte Schule wird mit Heizung und Sanitäranlage versehen und zum Gemeindebüro
umgestaltet. Im April beginnt eine umfassende Erneuerung der Schloßparkanlagen.
Der 100. Todestag vom Parkgestalter Eduard Petzold wird mit einer Gedenktafeleinweihung
und Feier gestaltet. Die Schulneueinteilung wird vorgenommen.
Eine zweite Erdgastrasse wird neben der ersten verlegt. Die Feuerwehr wird zum Feuerwehr-
verein e.V. Das Landwirtschaftsanpassungsgesetz tritt in Kraft und die bisherigen
landwirtschaftlichen Produktionsgenossen schaften in Gesellschaften umgewandelt. Dabei
werden viele Arbeitskräfte entlassen und in den Vorruhestand geschickt (von ehemals 125 in
der Tierproduktion wurde auf 24 reduziert).
1992 Eine Bürgerbefragung zur Bildung einer Großgemeinde Stedtfeld bis Göringen wird
durchgeführt. Ein Fremdenverkehrsverein Neuenhof wird am 25.März gegründet.
Es kommt zur Protestaktion gegen den Bau einer 380 KV-Elektrotrasse südlich
von Neuenhof.
Die Verkaufsstelle des Konsum wird im April geschlossen (Konkurs).
Am 31. Mai wird die 1060-Jahrfeier des Ortes Hörschel begangen. Eine Fotoausstellung über
"Alt-Hörschel" wird in der Kirche gezeigt. Beides wurde vom Fremdenverkehrsverein vorbereitet
und finanziert.
Am 27. und 28. Juni findet in Neuenhof ein Sängerfest mit 16 Gastchören statt.
Neuenhof ist an das Erdgasnetz angeschlossen.
Beitritt der Gemeinde zum Kreiszweckverband Wasser/Abwasser .
In die fertiggestellte Stützmauer am Bahnhof Hörschel ist das geologische Naturdenkmal als
Fenster eingearbeitet worden.
Die Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnverbindung Gerstungen - Eisenach mit dem erneu-
erten Bahnhof in Hörschel gestaltet sich zu einem Volksfest. Zugegen sind sie beiden
Ministerpräsidenten von Thüringen, Vogel, und Hessen, Eichel.
Die Neueindeckung des Turmes der Kirche von Neuenhof wird durchgeführt und die Spitze mit
zwei neuen Windfahnen versehen.
Überarbeitung und Druck ,R.Schwanz,Neuenhof im Dezember 1995
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